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16-07-2013

Gemeinsame Position zur Zukunft der Torfindustrie

Die Torfindustrie in Niedersachsen mit ihren 56 zumeist mittelständisch geprägten Standorten hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Die Gewinnung des Rohstoffs steht am Beginn einer für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Wertschöpfungskette. Rund 70 % der derzeitigen jährlichen Gewinnungsmenge von 7,3 Mio. Kubikmetern geht in die Herstellung von Qualitätskultursubstraten für den Erwerbsgartenbau, der mit 60.000 Betrieben in Deutschland eine wichtige Branche darstellt. Das Überleben des Erwerbsgartenbaus hängt von einer wirtschaftlichen und sicheren Produktion der vielfältigen Pflanzkulturen mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen an die Substrate ab. Dabei ist Torf noch immer der unverzichtbare und risikoärmste Substratausgangsstoff gerade auch für die Produktion von Jungpflanzen im Gemüse- und Salatanbau. Die Wertschöpfung aus einem Kubikmeter KultursubstratKultursubstrat
Pflanzenerden und Substrate für die professionelle gartenbauliche Anwendung.
ist mit einer darin möglichen Kultivierung von bis zu 350.000 Jungpflanzen immens.

Die Unterzeichnenden fordern, weiterhin Vorranggebiete als echte Rohstoffsicherung für die Torfindustrie und damit den Erwerbsgartenbau im Landesraumordnungsprogramm auszuweisen. Nur so besteht die Chance, eine verantwortungsbewusste Torfgewinnung mit anschließender Wiedervernässung zu betreiben. Die Frage der Versorgungssicherheit des Erwerbsgartenbaus betrifft keinen regionalen Markt, es handelt sich um Entscheidungen über einen Rohstoff von bundesweiter Bedeutung. Klimaschutz durch Wiedervernässung ist Landessache und kann im Rahmen eines aktualisierten Moorschutzprogramms nur durch das Land umgesetzt werden. Gerade die Torfindustrie kann zivil- und auch genehmigungsrechtlich sicherstellen, dass nach einem Abbau Klimaschutz stattfindet.


Die Torfnutzung im Erwerbsgartenbau ist nahezu alternativlos
Derzeit sind trotz intensiver Forschungsbemühungen für eine Vielzahl von Anwendungen keine anderen Substratausgangsstoffe bekannt. Für die Anwendungsbereiche, in denen auf einen Einsatz von Torf ganz oder teilweise verzichtet werden kann, mangelt es jedoch an ausreichenden Stoffmengen in der erforderlichen gleichbleibenden Qualität. Ausgangsstoffe wie Grüngutkompost und Holzfasern können aufgrund des durch das Erneuerbare Energien Gesetz geförderten Einsatzes in Biogasanlagen oder der thermischen Verwertung nicht mehr zu marktkonformen Preisen erworben werden, so dass der Einsatz alternativer Stoffe rückläufig ist und sich in den vergangenen Jahren bereits Versorgungsengpässe ergeben haben.

An der Entwicklung alternativer Konzepte wie der Paludikultur oder dem Spaghnum farming beteiligt sich die Torfindustrie von Anfang an mit großem Interesse. Mit einer wirtschaftlichen Umsetzbarkeit dieser Verfahren ist jedoch in absehbarer Zeit aufgrund verschiedenster Umstände nicht zu rechnen. Z.B. werden für diese „Anbauart“ von Substratausgangsstoffen große Flächen benötigt, die in wirtschaftlicher Konkurrenz zur subventionierten landwirtschaftlichen Nutzung auf den entsprechenden Moorflächen stehen.


Mehr Torfimporte aus dem Baltikum belasten das Klima und kosten Arbeitsplätze
Ein Ende der Torfgewinnung in Niedersachsen würde nicht bedeuten, dass weniger Torf eingesetzt würde, sondern führt zu mehr Importen z.B. aus dem Baltikum. Dieses bedeutet aufgrund der Transportemissionen eine Zunahme der CO2-Belastung, die die Klimabilanz des Torfeinsatzes mit zusätzlichen rund 40 % belastet. Abgesehen davon ist die Unabhängigkeit der Versorgung des deutschen Markts von Importen ein hohes Gut, das ohne Not nicht aufgegeben werden sollte. Sollten die in Deutschland benötigten Torfe ausschließlich aus dem Ausland bezogen werden müssen, droht eine Abwanderung der Substratindustrie ins Ausland. Der Deutsche Erwerbsgartenbau, der bereits seit Jahren mit sinkendem Umsatz bei steigenden Kosten zu kämpfen hat, hätte neben steigenden Energiepreisen auch noch steigende Kosten für Substrate und weniger Flexibilität bei den Liefermöglichkeiten zu verkraften.


Ein Ende der Torfgewinnung in Deutschland führt zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland
Das Ende der Torfgewinnung in Deutschland führt zu einer Vernichtung von ca. 2.500, oftmals tariflich organisierten, Arbeitsplätzen in der Torfindustrie und zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen vor allem ins Baltikum. Auch der Verlust von Ausbildungsplätzen wäre die Folge. Dies wäre aufgrund der derzeitigen demografischen Entwicklung in den Gebieten des Torfabbaus gravierend.


Torfgewinnung zerstört keine intakten Moore
In Niedersachsen sind nahezu alle noch intakten bzw. naturnahen Moore unter Schutz gestellt worden. Torfgewinnung findet auf degenerierten, für die landwirtschaftliche Nutzung bereits vor mehr als einem Jahrhundert entwässerten Flächen statt. Die „Zerstörung“ dieser Moore begann also vor vielen Jahrzehnten und schreitet auf diesen Flächen aufgrund der Oxidation der entwässerten Torfe weiter voran. Derzeit werden von der Torfindustrie 11.500 ha für die Torfernte genutzt. Der allergrößte Teil der Moornutzung entfällt auf die Landwirtschaft mit rund 90 %. Während die landwirtschaftliche Nutzung der Moore letztlich zu einer endgültigen Zerstörung des Moorkörpers führt, sichert die Torfindustrie nach Abschluss der Torfgewinnung durch die Wiedervernässung der Flächen dauerhafte Moorstandorte.


Der Anteil der Torfindustrie an den CO2-Gesamtemissionen ist äußerst gering
Die Torfgewinnung und-nutzung setzen CO2 frei. Allerdings werden in der Politik die Emissionen aus der Moornutzung nahezu gleichgesetzt mit denen aus der Torfindustrie. Nach Angaben des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sind auf die Torfindustrie jedoch nur 7 % der Emissionen aus der Moornutzung zurückzuführen, während auf die Landwirtschaft auf Moorböden 84 % entfallen und immerhin noch 9 % der Emissionen aus nicht genutzten Moorflächen wie z.B. den z.T. schlecht entwickelten und gepflegtenNaturschutzgebieten des Landes stammen. Zu den Gesamtemissionen Deutschlands trägt die Torfindustrie mit nur 0,2 % bei .
In diesen Werten sind sowohl die Emissionen aus dem Torfabbau als auch die Emissionen, die sich später aus dem gärtnerischen Einsatz der Erden und Substrate ergeben, enthalten. Betrachtet man nur die Emissionen aus den Abbauflächen, so reduzieren sich während des Abbaus die Emissionen im Vergleich zur vorangegangenen landwirtschaftlichen Nutzung.


Torfgewinnung mit Wiedervernässung nutzt dem Klimaschutz
Alle für die Torfgewinnung in Frage kommenden Flächen wurden bereits für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert. Daher findet dort auch ohne Torfgewinnung bereits seit Jahrzehnten durch die Oxidation Torfzehr statt (jährlich rund die dreifache Menge des derzeitigen industriellen Torfabbaus) und es wird CO2 freigesetzt. Während die weitere landwirtschaftliche Nutzung zu einer kompletten Oxidation der Torfauflage oberhalb der Entwässerung führt, wird bei der Torfgewinnung eine Resttorfauflage von 50 cm Hochmoortorf in der Fläche belassen, die „wiedervernässt“ wird und die Grundlage für eine Moorrenaturierung bildet. Diese 50 cm Hochmoortorf oxidieren daher nicht und es werden die Voraussetzungen für die Renaturierung des zuvor degenerierten Moors geschaffen. In

Niedersachsen sind bis heute auf diese Weise 15.000 ha an wiedervernässten, schützenswerten Flächen entstanden, bis 2040 werden es 27.500 ha sein .


Es gibt keine günstige Alternative für den Klimaschutz auf Moorböden
Die heutige Landwirtschaft auf Moorböden ist keineswegs klimaneutral und nicht von Dauer. Unter landwirtschaftlicher Nutzung zersetzen sich jedes Jahr 1 bis 3 cm des Moorkörpers und setzen entsprechend CO2 frei. Eine Bewirtschaftung dieser Flächen ist langfristig nicht möglich.

Eine effektive Lösung für den Klimaschutz stellt nur die vollständige Vernässung der Moorstandorte dar. Eine extensive Bewirtschaftung führt dagegen nicht zur Lösung des Problems, sondern verzögert nur den Ablauf mit derselben Endsumme an freigesetzten Treibhausgasen. Eine den Anforderungen des Klima- und Naturschutzes entsprechende Sanierung der Moore wäre mit hohen Kosten von bis zu 20.000 Euro pro Hektar verbunden, die für den Abtrag des landwirtschaflichen Oberbodens, den Erwerb der Flächen, das Genehmigungsverfahren und die baulichen Maßnahmen ausgegeben werden müssten. Hinzu kämen die immensen Kosten des Flächenerwerbs. Bei dem durchschnittlichen Moorstandort in Niedersachsen ist von einer Hochmoortorfmächtigkeit von rund 2 m auszugehen. Gegenüber einer Sanierungsmaßnahme, bei der bis zu 80 cm Oberboden abgetragen und entsorgt werden müssen, nutzt die Torfindustrie weitere 70 bis 80 cm, die als Rohstoff entnommen werden. Einzig diese Menge unterscheidet eine Sanierungsmaßnahme von einer Torfgewinnung. Die Zusammenarbeit mit der Torfindustrie ist eine gute Möglichkeit, die Moorsanierung ohne die Verwendung von öffentlichen Geldern voranzutreiben.

Eine „einfache“ Vernässung der landwirtschaftlichen Flächen ohne entsprechende Sanierung, wie den Abtrag des ca. 30 cm mächtigen landwirtschaftlichen Oberbodens und des belasteten Torfprofils bis unter die Drainung etc., führt zu hohen Methanausstößen und ist daher klimaschädlich. Eine Hochmoorregeneration kann sich so nicht einstellen und es werden Binsenbestände mit geringen Naturschutzwert entstehen.


Die Nichtausweisung von Vorranggebieten für die Torfgewinnung im Landesraumordnungsprogramm ist nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch umweltpolitisch schädlich
Bereits heute werden bis zu 30 % des benötigten Torfs aus dem Baltikum nach Deutschland importiert. Werden keine weiteren Genehmigungen mehr für die Torfgewinnung in Niedersachsen erteilt, werden in 10 Jahren nur noch rund 50 % der heutigen Torfmengen gewonnen. Die

Versorgungslage des Erwerbsgartenbaus ist ohne die Ausweisung von Vorranggebieten oder erhebliche Importe absolut unklar.
Das Landesraumordnungsprogramm wurde erst im Jahr 2012 aktualisiert. Viele Unternehmen haben erhebliche Investitionen im Vertrauen auf die derzeit bestehende Planung getätigt. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen benötigen eine verlässliche Perspektive. Ohne Vorranggebiete auf Landesebene ist allerdings keinerlei Planungssicherheit gegeben.

Ohne Landesvorgaben wird die Entscheidung über eine Torfgewinnung mit Wiedervernässung vor Ort getroffen. Diese Regionalisierung hat in der Regel zur Folge, dass der Status Quo erhalten bleiben soll und die Flächen weiterhin unter landwirtschaftlicher Nutzung oxidieren. Dieses ist weder für den Klima- noch für den Moorschutz ein Gewinn. Ohne die Wertschöpfung, die die Torfindustrie aus der Flächen ziehen kann, ist ein Ankauf der Flächen nicht möglich und die finanzielle Umsetzung der Wiedervernässung scheitert an staatlichen finanziellen Möglichkeiten.



Ansprechpartner:
Niedersächsischer Industrie- und Handelskammertag
Federführung Raumordnung, Eckhard Lammers, 0541/ 353-210, lammers@osnabrueck.ihk.de

Industrieverband Garten e.V.
Tanja Constabel, 0177-5186286, constabel@ivg.org

Wirtschaftsverband Gartenbau e.V.
Axel Böse, 0421/ 53641-12, boese@wirtschaftsverband-gartenbau.de

Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
Jeannette Härtling, 0511/7631-508, jeannette.haertling@igbce.de

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