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Torfgewinnungsverfahren

Genehmigungsverfahren


In Deutschland findet eine Torfgewinnung nur statt nachdem in einem umfangreichen Genehmigungsverfahren sämtliche mögliche Beeinträchtigungen untersucht worden sind. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung und der artenschutzrechtlichen Prüfung werden Flora (Pflanzen) und Fauna (Tiere) auf der betroffenen Fläche im Laufe definierter Zeiträume erfasst. Neben hydrologischen Untersuchungen (Wasserhaushalt) werden, soweit sich im Einflussbereich Anlieger befinden, auch Lärm- und Staubemissionensgutachten erstellt. Auf Grundlage aller Erfassungen werden die Kompensationsmaßnahmen für Natur und Landschaftsbild ermittelt. Je nach Ausgang der Untersuchungen, wird der Antrag für den Flächenzuschnitt gestellt, bei dem die Beeinträchtigungen des Umfeld so gering wie möglich gehalten werden können.

Das Verfahren beginnt in der Regel mit dem sogenannten Scopingtermin, zu dem alle Betroffenen eingeladen werden, um den Untersuchungsumfang (siehe oben) festzulegen. Genehmigungsverfahren finden unter Beteiligung der Öffentlichkeit statt.

Die meisten Torfgewinnungsflächen befinden sich in raumordnerisch dafür vorgesehenen Vorranggebieten. Es ist aber auch möglich, außerhalb von Vorranggebieten, z.B. nach einem Raumordnungs- oder einem Zielabweichungsverfahren, Genehmigungen zu bekommen.



Industrielle Torfgewinnungsverfahren


Damals wie heute muss vor dem Abbau des Torfes eine Entwässerung von mindestens 0,5 m unter Flur auf der jeweiligen Lagerstätte durch eine Binnenentwässerung erfolgen. Diese Vorentwässerung der Flächen ist in aller Regel durch die landwirtschaftliche Vornutzung gegeben. Anschließend wird die Vegetation zusammen mit dem landwirtschaftlichen Oberboden (durchwurzelte Bodenschicht) von den Flächen vollständig entfernt, der Torf ist somit freigelegt. In früheren Zeiten, in denen natürliche Moore in Abbau genommen wurden, sprach man vom Abbunken der Flächen. Mit dieser Bunkerde aus der ehemaligen Moorvegetation kann der landwirtschaftliche Oberboden nicht verglichen werden.
Bei einem Wassergehalt von ca. 90 Gew.-% kann der Torfabbau beginnen.

Vor der Mechanisierung der Torfgewinnung wurde der Torf unter schwerster körperlicher Arbeit mittels Werkzeugen wie Jager, Sticker, Bunkspaten oder Kreite gestochen (Handtorfverfahren). Mit Hilfe einer Lorenbahn oder Torfkarre wurde das Material zur Trocknung abtransportiert.
Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts wird Torf mit entsprechender Maschinentechnik im Tagebauverfahren industriell gewonnen.



Sodentorfverfahren
Der schwachzersetzte WeißtorfWeißtorf
wenige bis mäßig zersetzter Hochmoortorf. Zersetzungsgrad: H1-H6 (DIN 11 540)
in den oberen Schichten wird meist durch das Sodentorfverfahren abgebaut um dessen Struktur und somit dessen physikalische Eigenschaften nicht zu beeinflussen. Die Weißtorf-Stechmaschine entnimmt Soden in der Größe von ca. 15x15x40 cm und setzt diese als Torfsodenreihe auf die Torfbank. Dort verbleiben sie für ca. ein Jahr, bis der Wassergehalt durch Sonneneinstrahlung und Wind auf ca. 50-60 Gew.-% reduziert wurde. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, werden diese auch per Hand oder Rüttler umgeschichtet.

SodentorfBild Vergrößern
SondentorfBild Vergrößern




Frästorfverfahren
Das heute am weitesten verbreitete Verfahren zur Gewinnung von SchwarztorfSchwarztorf
stark zersetzter Hochmoortorf. Zersetzungsgrad: H7-H10 (DIN 11 540)
ist das Frästorfverfahren. Dabei werden durch das Abfräsen die ersten zwei Zentimeter der Lagerstättenoberfläche des Torfs aufgefräst und gelockert (Frästorf). Das Material verbleibt anschließend auf der Fläche, so dass ein Durchfrieren und anschließendes Trocknen gewährleistet ist.
Die Torfgewinnung ist stark witterungsabhängig. Ein feuchter Sommer kann die für die Erdenwirtschaft zu verwendende Substratmenge und Qualität stark beeinflussen und zu saisonalen Engpässen führen. Deshalb wird bei der Torfgewinnung auch von Torfernte gesprochen.

Trocknung SchwarztorfBild Vergrößern
TorfsaugerBild Vergrößern





Baggertorfverfahren
Bei diesem Verfahren wird der Torf bei einem Erntevorgang bis zur genehmigten Abbautiefe in Bahnen sukzessiv abgebaut. Die gewonnene Torfmasse wird auf der umgebenden Fläche ausgebreitet, so dass ein Durchfrieren und anschließendes Trocknen gewährleistet ist. Durch den Abbau in der gesamten Tiefe wird eine gleichbleibende Torfqualität erreicht. Im Gegensatz zum Frästorf-Verfahren entstehen dabei strukturierte Flachwasserzonen, wodurch Abbau und Renaturierung gleichzeitig durchgeführt werden können.



Feuchttorfverfahren
In diesem Verfahren wird das gesamte Torfprofil bis auf die Abbausohle in einem Durchgang mit dem Hydraulik-Bagger ausgehoben und auf das Oberfeld zum Abtrocknen abgelegt. Nachdem das nicht kapillar gebundene Wasser über einige Wochen abgelaufen ist, wird der Torf erdfeucht verladen und abtransportiert. Diese Erden werden in der Champignonzucht als Deckerden verwendet.
Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der kurzen Abbauzeit (wenige Jahre), der sofortigen Wiedervernässung und direkt anschließenden Renaturierung der Flächen.

FechttorfverfahrenBild Vergrößern
FeuchttorfverfahrenBild Vergrößern

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