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Entwicklungsszenarien für Moorgebiete

Über 90 Prozent der deutschen Moore sind bereits seit vielen Jahrzehnten entwässert. Durch den resultierenden Sauerstoffkontakt unterliegt das Material einer stetigen Mineralisation, wodurch der Torf kontinuierlich abgebaut und CO2 freigesetzt wird. Nur durch eine Wiedervernässung der Fläche kann dieser Vorgang langfristig gestoppt werden.
Da der Torfabbau nur auf bereits trockengelegte, zuvor überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen zurückgreift, findet auf diesen Flächen also bereits im Vorfeld des Abbaus eine Torfzersetzung und damit die Freisetzung von klimarelevanten Gasen statt.

Der Torfabbau beansprucht jährlich im Allgemeinen eine höhere Mächtigkeit des Torfes als die landwirtschaftliche Nutzung. Setzt man die jährliche Abbaumenge der deutschen Torfindustrie (ca. 7 Mio m³) ins Verhältnis zu den in Anspruch genommenen Abbauflächen (rund 12.000 ha (1) ), so ergibt sich ein jährlicher Abtrag von rund 5,8 cm. Die Angaben für die Oxidationsrate bei landwirtschaftlicher Nutzung schwanken zwischen 0,8 cm für extensives Feuchtgrünland (F+E Vorhaben Schäferhof /Dümmer, LBEG) bis zu über 3 cm unter intensiver Ackernutzung.
Das CO2-Potential der Torflagerstätte wird also während des Zeitraums des Torfabbaus im Vergleich zur landwirtschaftlichen Vornutzung in der Gesamtbetrachtung 2 bis 10-mal schneller abgebaut. Die CO2 - Emission der abgebauten Torfe erfolgt jedoch nur zu einem geringen Anteil direkt aus der Fläche. Der überwiegende Anteil der Emissionen wird aus den Substraten und Erden freigesetzt, die aus dem abgebauten Torf produziert werden. Über die zeitlichen Abläufe dieser Prozesse bestehen keine Kenntnisse. Die Kalkulationen des LBEG, die zu der Bezifferung der Emissionen des deutschen Torfabbaus führen, gehen von einer Umsetzung dieser Torfe zu CO2 im Verlauf von 10 Jahren aus.

Die Betrachtung der Abbauflächen führt zu einem anderen Bild. Höper gibt 2007 für die Abbauflächen einen Wert von 3.182 kg CO2-C Äq. je ha und Jahr an(2) . Dies entspricht naturnahen Sukzessionsstadien der Moorvegetation, wie sie häufig in deutschen Naturschutzgebieten auftreten und dort Quelle der Emissionen sind (Methan). Die Torfabbauflächen liegen somit bezüglich der Klimarelevanz unter der landwirtschaftlichen Vornutzung.

Soll eine Gesamtklimabilanz gezogen werden, ist auch die Folgenutzung des Moores nach dem Torfabbau mit einzubeziehen. Die Abbauflächen gehen heute nach einer durchschnittlichen Abbauzeit von 15 bis 20 Jahren in die Wiedervernässung. Dadurch wird die CO2–Freisetzung des Moorstandortes nachhaltig gestoppt. Nach einigen Jahren wird mit dem Einsetzen des Moorwachstums und der Akkumulation von organischer Masse unter Sauerstoffabschluss wieder Kohlenstoff gebunden.



(1) Schmatzler, E. (2012): Die Torfindustrie in Niedersachsen - Ergebnisse einer Umfrage zur Zukunft der Torfgewinnung in Niedersachsen, TELMA, Bd. 42, S.27-42. Hannover
(2) Höper, H. (2007): Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren, TELMA, Bd. 37, S.85-116. Hannover

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