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Torf und Klima

Aktuell wird die zukünftige Entwicklung des niedersächsischen Torfabbaus auch bzw. insbesondere vor dem Aspekt des Klimaschutzes kritisch diskutiert. Auf dieser Seite werden umfassende Informationen zu den sehr komplexen wissenschaftlichen Hintergründen der Klimarelevanz von Hochmooren und ihren Nutzungen zusammengestellt.

Zusammenfassende Einführung in das Thema
Natürliche Hochmoore haben zunächst einmal eine ausgeglichene Klimabilanz, sie setzen einerseits "klimaschädliches" Methan frei, nehmen andererseits Kohlendioxid auf und speichern es in den akkumulierten Torfen. Hochmoore spielen so eine bedeutende Rolle als Kohlenstoffspeicher.
Werden Moore entwässert, so kehrt sich dieser Prozess um und Kohlendioxid wird aus den durchlüfteten Torfen freigesetzt: aus der Kohlenstoffsenke wird eine Kohlenstoffquelle. Diese Situation trifft auf nahezu alle Moore in Deutschland zu, nur 8 Prozent (25.950 ha) der Moore sind in einem naturnahen Zustand. Der kritische Punkt aus Sicht des Klimaschutzes liegt also in der Entwässerung der Moore in den vergangenen Jahrhunderten, seitdem sind durch die Oxydation der Torfe große Mengen an CO2 emittiert worden, und die Prozesse halten unverändert an.
Der mit Abstand größte Anteil der Emissionen aus deutschen Mooren kommt mit 84 Prozent aus den landwirtschaftlich genutzten Moorflächen. Der Anteil der Emissionen aus naturnahen Moorflächen wird mit 9 Prozent angegeben. Diese Emissionen stammen aus "Naturschutz"-Flächen, bei denen die Wiedervernässung nicht in ausreichendem Maß erreicht werden konnte.

Dem Torfabbau wird in Deutschland ein Anteil von 6 Prozent der Emissionen aus den Mooren zugeschrieben. Diese Emissionen teilen sich in zwei Teilmengen auf:

  1. Emissionen aus den entwässerten Abbauflächen
    Die Emissionen aus den Abbauflächen sind mit 3.782 kg C-Äq. /a/ha vergleichsweise gering ; im Vergleich zu der landwirtschaftlichen Nutzung, die vor dem Torfabbau auf den Flächen stattfindet, geht die Emission klimaschädlicher Gase (CO2, N2O und CH4) zurück.

  2. Emissionen aus den abgebauten Torfen
    Die Emissionen aus den verarbeiteten Torfen werden anhand des jährlichen Gewinnungsvolumens und des Kohlenstoffanteils berechnet. Für die Berechnung wird die wissenschaftliche Annahme getroffen, dass nach 10 Jahren der gesamte Torf in CO2 umgesetzt wird. Faktisch existieren zu diesen Prozessen keinerlei Untersuchungsergebnisse.
    Aus der Relation des Kohlenstoffvolumens in der jährlich gewonnenen Torfmenge und der dafür genutzten Gewinnungsfläche errechnet Höper 2007 einen Emissionsfaktor von rund 15.000 kg C-Äq. /a/ha.
    Der hohe Wert für die aus dem Produkt freiwerdenden Emissionen schwankt mit den jährlichen Abbaumengen, die seit Jahrzehnten in Deutschland in der Tendenz abnehmen, und zugleich mit Veränderung in der Ausdehnung der Abbauflächen. Es ist sicherlich kritisch zu diskutieren, ob die Emissionen aus der Nutzung der mit dem Torf produzierten Erden und Substraten der Torfindustrie oder dem jeweiligen Verbraucher zuzuordnen sind. Für fossile Energieträger werden die Emissionen nicht der fördernden Industrie, sondern dem Nutzer zugeschrieben. Ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung der Thematik des Klimaschutzes ist in der langfristigen Entwicklung der Moorflächen zu sehen. Alle Nutzungen (Landwirtschaft, Torfabbau), die mit einer Entwässerung verbunden sind, führen zu einer Reduzierung des Torfkörpers und sind somit endlich.
Für den Torfabbau wird seit Jahrzehnten eine Wiedervernässung und Renaturierung der Flächen als Kompensation für den Eingriff des Bodenabbaus naturschutzrechtlich festgeschrieben. Somit wird der Moorstandort gesichert und kann sich mittel- bis langfristig wieder zu einer Kohlenstoffsenke entwickeln.
Die Praxis der vergangenen Jahrzehnte zeigt für die landwirtschaftliche Nutzung, dass die Moorflächen mit Erreichen einer geringen Torfauflage zu mineralischen Standorten umgebrochen oder gekuhlt werden. Eine Sicherung des Moorstandortes mit seiner potentiellen klimatischen Funktion erfolgt nicht.

News und Termine

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